Geschichte und Ortsteile

Geschichte der Ortsteile von Neunkirchen a. Sand

Unser Gebiet ist seit früher Zeit besiedelt und es gilt als wahrscheinlich, dass bereits in der mittleren Steinzeit das Gebiet um Speikern von Jägern beheimatet war (etwa um 2000 v.Chr.). Dies bezeugt auch ein Grabfund aus der Steinzeit, in dem 1962 Gefäße und ein Reiterlein – das sogenannte Speikerner Reiterlein – gefunden wurden. Unterhalb des Glatzensteines wurden auch Urnenfelder aus der Bronzezeit, etwa 1300-1800 v.Chr. freigelegt, in denen man einen Schnurkeramikkrug, Knochenbecher und einen Steinlöffel fand.

 

Aus der Frühzeit der Kelten, etwa 900-800 v. Chr., wurden 1962 zwei Hügelgräber in Kersbach und fünf Hügelgräber in der Sandgrube bei Speikern gefunden. Aus dieser Zeit stammt auch der Fund des sogenannten Unterkrumbacher Schwertes. Auch die Beckerloher Sippelgräber stammen aus dieser Zeit. Aus der Zeit um 450-350 v. Chr. wurde an der B 14 das Grab eines Ehepaares mit einem Fibelschmuck freigelegt. Auch an der Straße von Rollhofen nach Speikern wurde eine Mehrzahl von Grabfunden aus der Keltenzeit um 100 v. Chr. gefunden.

 

Im Jahre 1227 findet Nivwinkirchen (Neunkirchen) die erste urkundliche Erwähnung. Die älteste urkundliche Erwähnung von Speikern stammt aus dem Jahre 1361. Neunkirchen, eine alte Eichstätter Missionspfarrei, neben Bühl die Hauptpfarrei für das hiesige Gebiet, ist jedoch bedeutend älter, als die Urkunde vermuten lässt. Bereits um das Jahrtausend wurde über diese beiden Missionskirchen von Eichstätt her, schon vor der Errichtung des Bistums Bamberg, eine weite Umgebung dem Christentum gewonnen. Im Jahre 1016 wurde der Neunkirchener Pfarrsprengel, der ein riesiges Gebiet umfasste, vom Bistum Eichstätt an das neugegründete Bistum Bamberg abgetreten.

 

Der zentralen Lage an der bereits 1061 genannten alten böhmischen Straße, die Eger mit Nürnberg verband und der Eisenstraße, die von Regensburg kam und über Eschau weiter nach Bamberg führte, verdankte die Neunkirchener Pfarrei sicher ihre Entwicklung mit. Vom Neunkirchener Kirchensprengel wurde bereits frühzeitig Kirchenröttenbach abgetrennt und erhielt eine eigene Pfarrei. 1375 bekam Lauf eine eigene Pfarrei, 1539 Reichenschwand und 1840 Kersbach, um nur einige Orte zu erwähnen, die zum Pfarramt Neunkirchen gehörten. Vom ältesten Kirchenbau aus romanischer Zeit haben sich keine Spuren erhalten. Der heutige Bau reicht in seinem Kern bis in das 14. Jahrhundert zurück. Die beiden Stützpfeiler, außen an der Südmauer des Chores, wurden noch in gotischer Zeit errichtet. Das von einer Mauer umgebene Gebiet der Kirche samt Pfarrhof und Friedhof war eine Freiung mit Asylrecht, die noch im späten 17. Jahrhundert strengstens respektiert wurde.

 

In den Jahren 1688/1689 erfolgte eine Barockisierung der Ausstattung. 1955/56 eine stilgemäße Gesamtrestaurierung des Inneren der Kirche samt ihrer Ausstattung. Im Jahre 1418 wurde eine Frühmesse gestiftet, deren Lehensherr der Pfarrer zu Neunkirchen a. Sand war.

 

Neunkirchen a. Sand – wie auch die Gemeindeteile Kersbach mit Weißenbach, Rollhofen und Speikern – gehörten über Jahrhunderte zur Herrschaft Rothenberg. Die Zugehörigkeit zu diesem Ländchen prägte ihre Geschichte mit. Ein bedeutender Schritt war der Ankauf der Herrschaft Rothenberg durch die Ganerben im Jahre1478. Die Ganerben, eine Interessengemeinschaft von 44 angesehenen fränkischen Rittern, führten im Jahre 1529 die Reformation im ganzen Rothenberger Land ein. Während des 30jährigen Krieges wurde das Rothenberger Gebiet von den Kurbayern besetzt und nach dem Krieg durch Kurbayern erworben. Damit hielt die Gegenreformation Einzug in das Rothenberger Land, es wurde rekatholisiert.

 

In den ehemals rein katholischen Orten innerhalb des „Fraischbezirkes“ der Herrschaft Rothenberg, wuchs nach dem 2. Weltkrieg eine staatliche evangelische Gemeinde heran. Im Jahre 1962 wurde der Grundstein für die Christuskirche in Neunkirchen a. Sand gelegt, die am 15. Dezember 1963 eingeweiht werden konnte. Die schon von alters her vorhandenen Handelsstraßen erhielten durch die Bahn (1877 Eröffnung der Strecke Nürnberg-Hof-Eger; 1895 Eröffnung der Nebenstrecke nach Simmelsdorf) eine wichtige Ergänzung. Dazu kommt seit 1937 noch die Autobahn München-Berlin. Nicht zuletzt diese günstigen Verkehrsverbindungen hatten mit entscheidenden Anteil an der Entwicklung einer beträchtlichen Industrie, die neben der einheimischen Bevölkerung auch zahlreichen Pendlern Arbeit bringt. Der Zusammenschluss der Gemeinden Kersbach mit dem Ort Weißenbach, Rollhofen mit dem Ort Wolfshöhe und Speikern zu der politischen Gemeinde Neunkirchen a. Sand, wurde im Rahmen der Gemeindegebietsreform zum 1. Januar 1972 auf freiwilliger Basis vorgenommen.

Der Ort Kersbach wird nach jetzigem Kenntnisstand im Testament Konrads II., Schenk von Reicheneck, vom 13. Oktober 1344 erstmals urkundlich erwähnt, eine Hl.-Kreuz-Kapelle, mit einem kleinen Kirchengut, zum Jahr 1363. Christliches Leben begann hier jedoch schon bald nach der Stiftung des Benediktinerinnenklosters Bergen bei Neuburg an der Donau durch die sel. Herzoginwitwe Biltrude im Jahr 976. Erstes Patrozinium des Klosters waren Maria und Johannes Ev., später übernahm die Abtei das Patrozinium Heilig Kreuz. Die Stifterin soll im Besitz einer Heilig-Kreuz-Reliquie gewesen sein.

 

Das Kersbachtal gehörte zum eichstättischen Klosterbesitz, der sich in Streulage rund um Hersbruck, bis weit über Hohenstein und Rothenberg hinaus erstreckte. Neunkirchen entstand vor 1007 als Missionspfarrei. Nach der Gründung des Bistums Bamberg im Jahr 1007 mit Gebietsteilen des Bistums Eichstätt auf dem nördlichen Pegnitzufer scheiterten Versuche einer Verlegung der Abtei aus dem eichstättischen Bergen in das bambergische Hersbruck. Im Jahr 1156 kam es zu einem Schiedsspruch, wonach für den Klosterbesitz die Diözesen Eichstätt und Bamberg gemeinsam zuständig waren. Daher betreuten bis 1536 wiederholt Eichstätter Domherren in ihrer Eigenschaft als Oberpfarrer die seelsorglichen Anliegen in Kersbach und Neunkirchen am Sand, zuletzt Martin Gotzmann von der Büg, ein Bruder des Burggrafen auf dem Rothenberg, Albrecht von der Büg. Kersbach war Filiale von Neunkirchen und entrichtete dorthin den Zehenten. Rabenshof, schon 1275 urkundlich erwähnt, gehörte im Mittelalter unmittelbar zur Abtei Bergen. Siegersdorf leistete bereits im gleichen Jahr seine Abgaben an den klösterlichen Oberverwalter auf dem Hohenstein. Die Eigentumsrechte an dieser Burg und am Markt Hersbruck wurden im Jahr 1359 von Kaiser Karl IV. dem Kloster Bergen abgekauft. Teile des ehemaligen Landbesitzes blieben der Abtei noch bis 1504, 1529, bzw. bis 1556 erhalten. In Kersbach lebten im Spätmittelalter die Herren von Sittenbeck (auch Sickenbeck) mit ihren Familien, klösterliche Niedervögte, die im Ort ein Wasserschloß bewohnten. Nach ihrem Aussterben fiel ihr Besitz an das Haus Wittelsbach heim, dem seit dem Hochmittelalter die Hauptvogtei mit dem Hohenstein zustand. Kaiser Karl IV. stiftete 1366/68 mit Siegersdorfer Abgaben zwei Frühmessen auf dem von ihm gekauften Rothenberg. Dort gab es seit etwa 1330 eine Marienkapelle. Der Kaiser begründete zusätzlich für Soldaten und Bedienstete seiner militärischen Zentrale auf der Bergeshöhe die Pfarrei St. Wenzel.

Die Kersbacher Burghutbauern

Kaiser Karl IV. schuf zur Landesverteidigung die Burghut auf dem Rothenberg. Diese Einrichtung finanzierte er in nächster Nähe mit den Leistungen von Bauern in Kersbach und Weißenbach. Die spätere Ganerbschaft der Herrschaft Rothenberg lehnte die Pflicht zur Burghut ab. Die Belehnung mit der Burghut blieb dem einzelnen Ritter überlassen, wenn er das Vertrauen des Landesfürsten genoß. Die Burghutbauern bestritten nicht den Lebensunterhalt der Ritter, die mit einer Burghut belehnt waren, sondern leisteten ihnen Mannschaftsdienste für die Landesverteidigung und lieferten dafür, zusätzlich zum Neunkirchener Zehenten, Geld- und Naturalsteuern ab. Die Wittelsbacher behielten mit dieser Einrichtung in Kersbach ein „Standbein“ in den widerstrebenden Herrschaftsansprüchen der Stadt Nürnberg, der Ganerben auf dem Rothenberg und auch der Markgrafen. So kam es, daß nach Wegfall der Burghut die Kersbacher Bauern von den Wittelsbachern schließlich wie kurbayerische Hofmarkshintersassen behandelt wurden, denen die fürstliche Gunst sicher blieb, selbst unabhängig vom wechselnden religiösen Bekenntnis der wittelsbachischen Pfalzgrafen. Die Reformation berührte Kersbach kaum.

 

Nach den Brandschatzungen und Zerstörungen in den Jahren 1449 und 1635 sorgten die Kersbacher dafür, daß jede Woche wieder Gottesdienste in ihrer Kapelle gefeiert wurden.

 

Mit der Gemeindereform von 1972 fanden Kersbach und Weißenbach Anschluß an die Gemeinde Neunkirchen a.S., während die anderen Ortschaften der Pfarrei Kersbach zur Marktgemeinde Schnaittach kamen.

 

Dr. Margarete Adamski, Kersbach.

 

Lit.: Dieslb.in: Altnürnberger Landschaft e.V., Sonderh. 43, 1994/95: Kersbach am Rothenberg, ferner: Neunkirchner Geschichtshefte: Nr. 7, 1996 u. Pegnitz-Zeitung v. 3.11.94.

Es klingt wohl etwas vermessen, wenn wir an den Anfang unserer Ortschronik einen Ausflug in die Eiszeit stellen. Aber gerade hier in unserem Rollhofen sind die Spuren der Eiszeit heute noch gut zu erkennen. Der Juraschuttkegel, den die eiszeitliche Schnaittach östlich von Rollhofen aufgeschüttet hat, ist ein gewaltiges Werk unseres Heimatflusses. Links der alten Kersbacher Straße, die über diesen Schuttkegel führt, war sein Innerstes noch vor kurzem zugänglich. Im Bereich der alten Kiesgrube – heute im Besitz von J. Kraus — fand man gerollte Gesteine und Versteinerungen aus allen Jurahorizonten: Sande, weiße und graue Kalksteine, braune Eisensandsteine, Bruchstücke von fingerförmigen Belemniten und schneckenähnliche Ammoniten. Für Sammler in früheren Zeiten war diese Rollhofer Kiesgrube ein geologisches El Dorado.

 

Leicht erklärbar ist die Entstehung des Rollhofer Schotterkegels, wenn man weiß, dass unterhalb unseres Dorfes der Kersbach in die Schnaittach mündet. Die Tragkraft der reißenden Schmelzwässer erlahmte in diesem Mündungsdreieck durch den Zusammenstoß der verschiedenen Strömungen. So schüttete die Schnaittach gebremst vom Kersbach — diesen riesigen Schotterhügel auf. Gesteine und Versteinerungen lagen somit schichtungslos in einem bunten Durcheinander, leicht zu sammeln – aber schwer zu bestimmen. Eine weitere geologische Besonderheit Rollhofens geht noch weit vor die Eiszeit zurück. Das Profil durch das Schnaittachtal in Rollhofen zeigt uns diese Besonderheit auf.

 

Nach der Landwerdung des Jurameeres und dem späteren Abfließen des Kreidemeeres setzten große Phasen der Abtragung (durch Luft, Wind, Frost, Regen, Hitze) in unserer Heimat ein. Die größte Abtragungsarbeit wurde in der Tertierzeit geleistet. Neben feucht – heißem Klima mit schweren Regenfällen traten noch starke vulkanische Eruption und Erdkrustenbewegungen auf und führten – wie das Profil zeigt – zu Schichtungsstörungen oder Verwerfungen. Die Erde barst und das westlich der Schnaittach gelegene Gebiet wurde gehoben. Ursprünglich waagrecht liegende Juraschichten wurden verschoben, verworfen also.

 

Heute sieht man von dieser Verwerfung nicht mehr viel. Der sichere und noch etwas sichtbare Beweis der Verwerfung im Schnaittachtal ist die Tatsache, dass der Amaltheenton an der Kersbacher Straße auf der gleichen absoluten Höhe lagert wie drüben auf der Wolfshöhe der Gryphaeensandstein.
Nachdem unsere Heimat dann erdgeschichtlich zur Ruhe kam und nach der Eiszeit mildere Klimabedingungen einkehrten, begann auch das Schnaittachtal zu „leben“. Zunächst war es nur die Pflanzenwelt, die unsere Heimat belegte, aber mit der Evolution des Menschen fasste auch dieser Fuß in unserem Flusstal. Mit Sicherheit viel früher als urkundliche Erwähnungen es bezeugen konnten, war unser Tal besiedelt.

 

Vor- und frühgeschichtliche Funde aus der Umgebung zeigen eine bunte Vielfalt an Bewohnern unserer engeren Heimat auf. Bereits in der Jungsteinzeit um das Jahr 2000 v. Chr. lebten Jäger in Speikern. Funde von Gefäßen und das berühmte Speikerner Reiterlein bezeugen dies. Funde unterhalb des Glatzensteins verweisen auf die Bronzezeit.

 

Die stärkste Besiedelung in der Vorgeschichte erfuhr unser Gebiet im 9. – 8.. Jahrhundert v. Chr., also in der sogenannten Hallstattzeit. Hügelgräber in der sogenannten „Beckerslohe“ zwischen Kersbach und Oberkrumbach und auch in der Sandgrube bei Speikern geben mit ihren Funden wertvolle Aufschlüsse über die Kultur und die religiöse Vorstellungswelt der damaligen Bewohner.

 

Eine keltische Besiedelung lassen Gräber mit zahlreichen Keramikfunden ,in der Straße von Rollhofen nach Speikern erkennen. Alle Gräberfunde erbringen einen Beweis für die ununterbrochene Besiedelung dieser Gegend in vorgeschichtlicher Zeit. Die Funde lassen jedoch nicht auf die Art und Weise der ersten Besiedelung schließen. Es liegen keine Zeugnisse vor, ob es ein größerer Siederverband ,eine Sippe oder nur eine Familie allein war.

 

Für die nachfolgende Zeit bis zur Jahrtausendwende gibt es über unsere Heimat keinerlei Quellen. Die Kontinuität der vorgeschichtlichen Besiedelung lässt jedoch darauf schließen, dass auch in der geschichtsquellenfreien Zeit diese Gegend besiedelt war.

Zu Beginn der Besiedelung durch die germanischen Stämme war das Gebiet im Osten Nürnbergs gekennzeichnet durch riesige Wälder. Der Reichswald erstreckte sich bis zum Schnaittachtal hin und von Norden her reichte der Veldensteiner Forst bis nach Hormersdorf hinab. Durch den, zwischen diesen riesigen Forstgebieten liegenden, Landstrich verlief ein historischer Straßenzug. von Regensburg, dem Sitz des bayer. Herzogtums, kommend verlief diese Straßenzug nach Forchheim. In unserer Heimat berührte sie den Ort Hersbruck und nahm dann ihren weiteren Lauf über Kühnhofen, Oberkrumbach, Kersbach, Rollhofen, Wolfshöhe. Dass dieser, für heutige Erkenntnisse, eigenartige Verlauf über Berg und Tal zustande kam und nicht der relativ ebene Weg durch das Pegnitztal gewählt wurde, hat eine einfache Erklärung: Die Landschaft an der Pegnitz zwischen Hersbruck und Lauf war damals für die Anlage von Straßen nicht geeignet. Sie war zu sumpfig und morastig, da die Pegnitz in früheren Jahren, wie schon ihr damaliger Name „PAGANTZA“ = Schlammfluss sagt, den Untergrund für die Anlage von Straßen ungeeignet machte. So kam es, dass unser Rollhofen zu einem Pünktchen an dieser wichtigen Altstraße wurde. Hier in Rollhofen wurde die Schnaittach über eine Furt passiert, die Straße nahm dann ihren weiteren Verlauf über die heutige Wolfshöhe nach Herpersdorf, Forth usw. bis nach Forchheim.

 

Der bald auftauchende Ortsname Rollhofen ist vermutlich auf den Personennamen Rollo zurückzuführen. Rollo war die damals gebräuchliche Verkleinerungsform von Rudhard, Rudolf, Rudlieb usw. Bedeutete als „zu den Höfen des Rollo“. Ältere Überlieferungen weisen unterschiedliche Schreiweisen auf: 1330 „ze Rollenhofen“, 1344 „ze Rollhofen“, 1398 und 1399 „Rolhofcn“. Die heutig mundartliche Form „Rollhuf“ zeigt den Namen in der Einzahl wie auch bei Groß- oder Kleinbellhofen.

 

Erste urkundliche Erwähnung, wie oben schon angedeutet, findet Rollhofen am 29. Mai 1330. Ein Gut zu Rollhofen, das der in das Kloster Sankt Klara zu Nürnberg eingetretenen Gertrud Flasch (Tochter eines Nürnberger Bürgers) gehörte, sollte nach deren Tod dem Kloster zufallen. Dies ist dann nachweislich auch geschehen.

 

Dieser frühe Bezug zu Nürnberg darf aber nicht darüber hinwegtäuschen , dass das Nürnberger Patriziat in Rollhofen kaum Fuß fassen konnte. Nur ein Hof und ein Gütlein waren nachweislich in Patrizierhänden, der „Zwiefelbauer“ zinste so bis ins 18. Jahrhundert nach Nürnberg.

 

Der überwiegende Teil des Dorfes gehörte aber der Grundherrschaft auf dem Rothenberg an, so dass die Geschichte des Rothenbergs mit der Geschichte unseres Dorfes eng verbunden war: Nachdem die Herren von Wildenstein ihre Burg auf dem „neuen“ Rothenberg an Kaiser Karl IV., zugleich König von Böhmen, im Jahr 1360 verkauft hatten, werden in dessen Salbuch von 1366/68 auch die Güter Rollhofens aufgeführt. Es waren dies 3 Höfe, zwei Lehen, ein Seldengut und eine Mühle, also 7 Anwesen. Durch Teilung wurden daraus bis zum 18. Jahrhundert 12 Anwesen.

 

Ein einschneidendes Ereignis für Rollhofen war dann sicherlich die Veräußerung des Rothenbergs an die Ganerben im Jahre 1478. Damit kamen auch die „Güter“ zu Rollhofen an diese Gemeinschaft von 44 fränkischen Rittern. Diese Ganerbschaft und ihre Verwaltung legte nun ihrerseits Salbücher an, die auch die Geschichte unseres Dorfes der Nachwelt übermitteln.

 

So finden wir dort über Rollhofen:

 

„Daselbst befindet sich ein Eisenhammer (heute Anwesen Grötsch), Mühl und ein Wirtshaus, darin Wein und Bier geschenkt, das der Wirt nicht außerhalb der Fraisch beziehen soll, sonst muss er Umgeld zahlen. Auch eine Pulvermühle ist dort, die dem Rothenberg zusteht und bei Bedarf alles Pulver dorthin liefert, als wenn sie Eigentum der Herrschaft wär. Innerhalb des Hofes, der mit einer Mauer aus Eisenschlacke ummauert ist, stehen noch 4 Häuser, in den 2 Goldschläger und ein Messingschlager wohnen. Dort ist auch eine Mahlmühle mit einem Gang und aller dazugehörigen Mühlgerechtigkeit.“ All das hier Beschriebene liegt links der Schnaittach. Der Ausdruck „am Hammer“ gilt auch heute noch als Bezeichnung dieses Ortsteils.

 

Rechts des Baches liegen 9 Höfe, von denen der Schafhof wohl der bedeutendste war. Der Schafbauer hatte das Recht, überall in Wald und Wiesen hüten zu dürfen. Sein Hütrecht ging sogar bis in benachbarte Fluren.
Zu den wohlhabendsten Bewohnern der damaligen Zeit dürften in Rollhofen wohl aber auch die Mühlenbesitzer gezählt haben, die begünstigt durch das Gefälle der Schnaittach hier seßhaft wurden. Sie waren die „Fabrikdirektoren“ der damaligen Zeit und ließen andere für sich arbeiten, nämlich ihre Mahlknechte und das Wasser.

 

Dennoch hatte Rollhofen, bedingt durch seine Zugehörigkeit zum Rothenberg, auch viel Not zu leiden. Die ständigen Händel der Rothenberger mit den Nürnbergern waren nur eine der Ursachen dafür. In seinem Roman „Die vom Rothenberg“ gibt uns Fritz Reinert ein Bild dieser ständigen Reibereien. Der legendäre Burggraf Kunz Schott von Hellingen, bekannt ob seiner Grausamkeiten gegen die Nürnberger, spielt in dieser Erzählung die Hauptrolle. Eine nicht minder wichtige Rolle spielt dabei Rollhofen als Wohnort des Doppelspions „Zeidlerjockel“.

 

Aber zurück zu der historischen Wahrheit. Not und Unglück brachten auch die Kriege der damaligen Zeit. Über die Zeit des sogenannten 2. Markgräflerkrieges 1552/53 heißt es:
„Rollhofen ist soweit nürnbergerisch gebrandschatzt um 32 Gulden“. Im 30-jährigen Krieg „ist Rollhofen des mehreren Teils eingeäschert und dermalen mit etwa 5-6 geringen Haushaben besetzt“ (1639). Zwei Jahre später heißt es dann über unser Dorf: „Darin befinden sich 1 nürnbergischer und 2 rothenbergische Bauern, aber kein kaiserlicher Soldat.“

 

An diese Zeit erinnert noch heute ein vielfach vergessenes Naturdenkmal, der sogenannte Schwedenbaum, der an der Straße zwischen der Wolfshöhe und Neunkirchen stand.

 

1698 schließlich endete die Herrschaft der Ganerben auf dem Rothenberg. Sie verkauften ihren Besitz an Churbayern. Aber Not und Elend blieben damit von unserem Dorf noch nicht fern. 1744 wurde – wenn auch erfolglos – der Rothenberg von den Österreichern belagert und 1796 war unsere Gegend Durchzugsgebiet von französischen Revolutionstruppen. Das Umland zahlte seinen Tribut auch hier wieder.

 

Ruhigere Zeiten kehrten in Rollhofen erst wieder ein, als die strategische Bedeutung des inzwischen zur Festung ausgebauten Rothenbergs schwand und die Festung schließlich 1838 aufgelassen wurde.

 

Bis zu diesem Zeitpunkt hat unser Dorf seinen rein bäuerlichen Charakter gewahrt. So zählte Rollhofen im Jahre 1832 51 Häuser mit 200 Einwohnern.

 

Mit der Gründung einer Ziegelei im Jahre 1856 auf der Rollhofer Höhe durch Lorenz Wolf bahnte sich ein Strukturwandel in unserem Ort an. Nachdem im Jahre 1869 durch König Ludwig Il. auf Ansuchen von ebengenanntem Lorenz Wolf zusagte, „dass die Rollhofer Höhe fortan den Namen Wolfshöhe führe“, errichtete dieser noch eine Brauerei. Diese ging aber schon im Jahre 1882 in den Besitz der Familie Weber über.

 

Durch die somit entstandenen Arbeitsplätze und nicht zuletzt durch den Bau der Bahnlinie nach Simmelsdorf (1895) wurden zahlreiche Arbeitskräfte von auswärts angezogen. Die Wolfshöher Tonwerke errichteten dazu noch ein zweites Werk mit direktem Bahnanschluß und die Bevölkerung verdoppelte sich somit bis zur Jahrhundertwende. Dieses Wachstum wurde aber durch die beiden Weltkriege und ihre verheerenden Auswirkungen gewaltsam unterbrochen. Durch die Aufnahme von ca. 180 Evakuierten und Vertriebenen stieg in den Jahren nach 1945 die Bevölkerung auf 620 Personen, so dass schließlich im Jahr 1952 ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung ging und Rollhofen ein eigenes Schulhaus einweihen durfte.

 

Als dann in den 60-iger Jahren das Baugebiet in der sogenannten Siedlung Richtung Kersbach erschlossen wurde, konnten erfreulicherweise ca. 30 Wohnhäuser errichtet werden. Die Struktur des Ortsbildes aber wurde grundlegend verändert. Rollhofen war nun eine Gemeinde mit etwa 900 Einwohnern geworden.

 

Die nächsten einschneidenden Veränderungen unseres Ortes brachten die Gebietsreform und die Schulreform in den 70er Jahren. So bildet Rollhofen zusammen mit den Orten Speikern und Kersbach seit dem 1. Mai 1972 die Großgemeinde Neunkirchen am Sand.

 

Die Schulkinder mussten nach einer kurzen Übergangszeit wieder nach Neunkirchen, die Klassen 7 – 9 sogar nach Lauf zur Schule gehen. Damit schien das mit Stolz geweihte Schulhaus nach einem knappen Vierteljahrhundert bereits ausgedient zu haben. Die Errichtung eines gemeindlichen Kindergartens im Jahr 1972 ließ aber dennoch das Leben in unserem „alten“ Schulhaus weiter gedeihen.
Und als sich die Gemeinde Neunkirchen im Jahre 1987 entschloß, das Schulhaus zu einem modernen Kindergarten mit Gemeindezentrum auszubauen, entstand ein harmonisches bauliches Ensemble, das unser Gemeindeleben sicher neu befruchten wird.
Die Umgestaltung der Kreuzung von Mühlen – und Brückenstraße bracht Rollhofen 1995 als ersten Ort im Landkreis einen Kreisverkehr.
So ist Rollhofen inzwischen ein fester und treuer Bestandteil der Großgemeinde Neunkirchen am Sand geworden, wird aber seinen Eigencharakter auch in Zukunft nicht verlieren.

Text von Hartwig Rochholz für die Freiwillige Feuerwehr Rollhofen 1988/89
Umsetzung von Frank März 1997
Copyright by Freiwillige Feuerwehr Rollhofen e.V.

Erstmals wird Speikern urkundlich am 23.04.1289 genannt. Das Staatsarchiv Nürnberg besitzt eine Urkundenabschrift aus dem 15. Jahrhundert.

 

Der Ortsteil ist der archäologisch gesehen wohl interessanteste Ortsteil Neunkirchens. Hier wurde u. a. das „Speikerner Reiterlein“ im Jahre 1962 entdeckt, das den Namen Speikern weiterhin bekannt machte.

 

Es ist anzunehmen, dass der Ortsname „Speikern“ durch die vielen Getreidescheunen entstand. Der Namen „Speikern“ stammt aus dem lat. spicarium = Speicher, Scheune.

 

Aus der Protokollniederschrift der ehemaligen Gemeinde Speikern (heute Ortsteil von Neunkirchen am Sand) geht hervor, dass die Bewohner ein starkes Interesse am Leben ihrer Dorfgemeinschaft zeigten. Mit dem Beginn der Wasserversorgung, der Telefoneinrichtung und der elektrischen Energieversorgung wandelten sich dáuch die Bedürfnisse der Speikerner Bürger.

 

Auszüge aus dem Beschlussbüchern aus der Zeit vom Beginn des Ersten Weltkrieges bis zur Wahl eines neuen Gemeinderates 1946 geben Höhen und Tiefen der Selbstverwaltung wieder. Am 01.01.1972 wurde Speikern in das Gemeindegebiet Neunkirchen am Sand eingegliedert.

Südöstlich des Rothenberges gelegen.

 

Am östlichen Ende der Dorfstrasse befand sich einst ein Weiherhaus, im späten Mittelalter bewohnt von den Herren von Sittenbeck. Der Besitz fiel nach dem Aussterben des Geschlechtes an das Haus Wittelsbach heim. Fast alle der etwa 20 Bauernhöfe waren bis zum Ende der Feudalherrschaft kurfürstlich oberpfälzisch und unterstanden dem Landgericht Auerbach. Nur ein Hof gehörte zur Ganerbenschaft Rothenberg.

 

Die 1366 erstmals erwähnte Heilig-Kreuz-Kapelle war Filialkirche der Missionspfarrei Neunkirchen a. Sand. Der barocke Neubau stammt aus dem Jahr 1742. Nach Auflassung der Festung Rothenberg wurde mit der Dotation der Festungspfarrei St. Wenzel in den Jahren 1849/50 in Kersbach eine eigene Pfarrei begründet. Das Wallfahrtsbild der Muttergottes vom Rothenberg gelangte so, mit den Skulpturen des Heilandes in der Wies und des Auferstandenen, in die Kersbacher Pfarrkirche. Auch einige Paramente und Vasa sacra stammen vom Rothenberg.

Am Fuße des Rothenberges, östlich von Schnaittach, lag schon von altersher eine kleine Ziegelei, die vor allem Mauersteine und Kalk brannte und die nähere Umgebung, unter anderem auch die Festung Rothenberg, mit diesen versorgte. Diese Ziegelei ging anfangs des vorigen Jahrhunderts erblich in den Besitz des nachmaligen Gründers der Wolfshöhe, Lorenz Wolf, über. Dieser dehnte den Absatz der Ziegelei weiter aus und belieferte so auch das Gaswerk in Nürnberg mit seinen Erzeugnissen.

 

Hier lernte er nun erstmals feuerfeste Steine kennen, die in größerem Umfange zum Bau von Feuerungen und Retorten benötigt wurden und zu sehr hohen Preisen aus England bezogen wurden mussten. Sie erregten sofort sein besonderes Interesse, da ihm einfiel, dass er auf seinem Wege nach Nürnberg schon des öfteren Spuren hellen Tones beobachtet hatte. Angestellte Brennversuche ergaben, dass es sich hier tatsächlich um feuerfesten Ton handelte und in Zusammenarbeit mit dem Gaswerk durchgeführte Versuche bestätigten die Brauchbarkeit der aus diesem Tone hergestellten Steine.

 

Lorenz Wolf erkannte seine Chance und erwarb auf dem jetzigen Gelände der Wolfshöher Tonwerke die ersten Grundstücke. So wurde im Jahre 1856 durch die Errichtung eines sogenannten „Altdeutschen Ofens“ der erste Grundstein zur Aufnahme der Chamotte-Fabrikation gelegt und damit wurden die Wolfshöher Tonwerke zu einem der ältesten deutschen Hersteller von feuerfesten Erzeugnissen überhaupt. Um sich seiner neuen Aufgabe intensiv widmen zu können, baute Lorenz Wolf hart an der Straße jenes noch heute bestehende kleine Wohnhäuschen und setzte sich mit aller ihm eigenen Energie und Zähigkeit im Rahmen der damals gegebenen einfachen Mittel und Methoden für die Entwicklung seines Werkes ein. Dadurch, dass er die Schnaittacher Ziegelei schon frühzeitig an seinen ältesten Sohn übergab und mit seiner Familie zum Standort seiner neuen Unternehmung übersiedelte, verknüpfte er von nun an sein Schicksal ganz mit seiner Gründung. Im Jahre 1869 stellte er den Antrag, die Siedlung auf der Rollhofener Höhe nach seinem Namen „Wolfshöhe“ zu benennen, was ihm auch vom Bayrischen Staate genehmigt wurde.

 

Lorenz Wolf, konnte die Fortentwicklung und Festigung seines Werkes noch bis zum Jahre 1878 selbst leiten und lenken. So wurde bereits 1870 die erste Dampfmaschine aufgestellt und 1875 der erste Ringofen erbaut und in Betrieb genommen. Im Todesjahr des Gründers, 1878 ging das noch kleine aber in guter Entwicklung befindliche Werk auf dessen jüngsten, damals 22jährigen Sohn Georg Wolf über. Dieser hatte nach seiner Schulausbildung bereits im Werk bei allen Tätigkeiten praktisch mitgearbeitet und war daher trotz seiner Jugend schon im Besitze umfassender Kenntnisse und Erfahrungen. Dank seiner ausgesprochenen technischen Veranlagung gelang es ihm schon in den ersten Jahren, bedeutende maschinelle Verbesserungen durchzuführen und so Qualität und Leistung der Fabrik wesentlich zu steigern. Vorallem auf dem Gebiete der Ofentechnik war Georg Wolf sehr erfolgreich, er baute in seinem Betriebe einen Ofen mit überschlagender Flamme nach neuem System, das als „System Wolf“ patentiert, im Im- und Ausland vielfach zur Ausführung kam und sich gut bewährte. Vor allem gab es ihm die Möglichkeit, in den 80-er Jahren die Herstellung hochwertiger Eisenklinker, ein schon damals viel gefragter und aussichtsreicher Artikel, mit Erfolg aufzunehmen.

 

Der Neubau der Bahnlinie Schnaittach – Simmelsdorf im Jahre 1897 brachte dem nun „Tonwerke Wolfshöhe“ benannten Betrieb die große Chance, einen Bahnanschluß zu erhalten, ein in der damaligen Zeit ohne Kraftwagen nicht zu unterschätzender Vorteil. Von diesem Zeitpunkt an ist denn auch ein besonders rascher Aufschwung des Werkes festzustellen. Unmittelbar neben der Bahnstation Rollhofen wurde ein neuer Betrieb errichtet und der Schwerpunkt verlagerte sich im Laufe der Entwicklung immer mehr in das nunmehrige Werk II (Ansicht aus dem Jahr 1906 – 34kB). Hier wurde die Herstellung der feuerfesten Erzeugnisse konzentriert, während im Werk I ausschliesslich Klinker hergestellt wurden. Einen weiteren wesentlichen Auftrieb erhielt das Unternehmen durch den im Jahre 1902 durchgeführten Kauf der Tonlager in Grossbellhofen ( Webseiten von Martin Sembach), wodurch Georg Wolf die sichere Rohstoffbasis für seine Fabrikation schuf, die auch heute noch, durch Zukäufe erweitert, die Grundlage gleichbleibender Qualität und Zuverlässigkeit der Erzeugnisse der Firma bildet. Im Jahre 1903 wurde eine bereits in Großbellhofen bestehende Ziegelei übernommen und ausgebaut, jedoch im Jahre 1920 aus verkehrstechnischen Gründen wieder aufgelassen und die Produktionsmittel ebenfalls nach Wolfshöhe verlegt.

 

Der Absatz der Erzeugnisse dehnte sich allmählich in immer weitere Gebiete aus, so dass bis zum Beginn des ersten Weltkrieges bereits ganz Süddeutschland, die nördliche Schweiz und das westliche Österreich zum Absatzgebiet der Firma zählten. Zu dieser Zeit waren etwa 200 Personen beschäftigt, die Jahresproduktion betrug damals schon 25000 Tonnen der verschiedenen Tonwaren. Im Jahre 1911 wurden die drei Söhne, Lorenz, Jakob und Georg Wolf nach erfolgter technischer und kaufmännischer Ausbildung unter Gründung der “ Wolfshöher Tonwerke GmbH.“ an der Firma beteiligt. Die damit beginnende neue Entwicklungsperiode erlitt eine jähe Unterbrechung durch die Kriegs- und Nachkriegsereignisse. Jedoch wurde trotz aller Schwierigkeiten im Zusammenhang mit Inflations- und Depressionsjahren durch Steuern eines folgerichtigen und vorsichtigen Kurses die erreichte Position im Markt behauptet und durch vorausschauende Verbesserung und Vervollkommnung aller Betriebseinrichtungen die Marktstellung des Unternehmens gesichert. Bis zu seinem tragischen Tode am Weihnachtsabend des Jahres 1936 leitete Lorenz Wolf die Verkaufsstelle der Firma in München, während Jakob Wolf die technische und Georg Wolf die kaufmännische Leitung in Wolfshöhe wahrnahmen.

 

Der Seniorchef des Werkes konnte noch bis zu seinem Tode im Jahre 1939 mit dem Schatz seiner über 50 jährigen, reichen Erfahrungen seinen Söhnen zur Seite stehen. Dank des soliden Fundamentes auf dem die Wolfshöher Tonwerke sowohl in finanzieller als auch technischer Beziehung ruhte, konnten die Rückschläge, welche im Gefolge des zweiten Weltkrieges eintraten, die Grundlagen der Firma nicht erschüttern. Trotzdem praktisch ein Jahrzehnt lang kaum technische und maschinelle Verbesserungen vor genommen werden konnten, war nach Überwindung der äußeren Schwierigkeiten wie Kohlemangel, der zeitweilig bei Kriegsende sämtliche Öfen zum Erlöschen brachte, doch die innere Kraft des Unternehmens ungebrochen und in den Jahren des allgemeinen Wiederaufstieges nach der Währungsumstellung 1948 konnte eine ganze Reihe wichtiger Maßnahmen, die vor allem der Rationalisierung, der Produktion und der Qualitätsverbesserung dienten, mit Erfolg durchgeführt werden. Nicht zuletzt wurde diese schnelle Überwindung der Kriegsfolgen ermöglicht durch die Treue und Zuverlässigkeit eines Stammes von Angestellten und Arbeitern, die auch in den Zeiten von Zigarettenwährung und Schwarzhandel ihre Pflicht erfüllten. Härter waren die Schläge, welche die Wolfshöher Tonwerke in personeller Hinsicht durch den Krieg und in der Folgezeit trafen. Nachdem bereits im Jahre 1935 der Sohn von Herrn Lorenz Wolf, der bereits als Betriebsleiter im Werk tätig war, starb, kehrten aus Rußland die beiden Söhne von Herrn Georg Wolf jr., Max und Ottmar nicht mehr zurück. Im Jahre 1946 starb auch Herr Geor Wolf jr. selbst, hart betroffen von dem Schicksal seiner beiden Söhne. Die kaufmännische Leitung übernahm daraufhin der Schwiegervater des vermißten Max Wolf, Herr Wilhelm Molfenter als Geschäftsführer. Als Einziger der vierten Generation der Familie Wolf trat nach Rückkehr aus dem letzten Kriege Herr Hubert Wolf in die Firma ein. Nach Abschluß seines Studiums an der Wirtschaftshochschule Nürnberg und praktischer Tätigkeit wurde er im Jahre 1954, zum Geschäftsführer bestellt. Außerdem wurde Herrn Georg Taufer der bereits seit langem kaufmännisch in der Firma tätig ist, im Jahre 1946 Prokura erteilt. Als Einziger der Gebrüder Wolf kann in diesem Jubiläumsjahre leider nur noch der derzeitige Seniorchef, Herr Jakob Wolf, mit Stolz und Genugtuung auf die hundert Jahre des Bestehens zurückblicken, an denen

 

So ist die Geschichte der Wolfshöher Tonwerke zugleich eine Geschichte der Familie Wolf. Jedoch ist ebenso eng die Geschichte von vielen Arbeitern mit dem Werke verknüpft, die teilweise auch schon in der dritten und vierten Generation tätig sind. Durch deren stetige Treue und Pflichterfüllung war es erst möglich, dass der große Reichtum an Erfahrungen, der sich im Laufe eines Jahrhunderts ansammelt, immer wieder von Generation zu Generation weitergegeben wurde, und so ein zuverlässiger Stamm von erfahrenen Kräften zur Verfügung steht. Heute umfasst das Produktionsprogramm der Wolfshöher Tonwerke mengenmäßig zu etwa gleichen Teilen feuerfeste Steine und Klinker. Die Herstellung der feuerfesten Steine stützt sich auf zwei gasbeheizte Kammer-Ringöfen, und erstreckt sich auf alle handelsüblichen Chamotte-Qualitäten. Die Basis der Fabrikation bilden die werkseigenen Rohstoffvorkommen von Großbellhofen, welche die Versorgung von feuerfesten Tonen stets gleichbleibender Qualität und Eigenschaft sicherstellen. Für Spezialfertigungen und Qualitäten höchster Feuerfestigkeit werden Rohstoffe zusätzlich bezogen und teilweise importiert. Allein das normale gut sortierte Lager umfasst mehr als hundert verschiedene, Gebrauchssorten, wie Normalsteine, Keilsteine, Hafnerplatten, große Platten, Backofenplatten, Ausgleichplättchen, Rillensteine, Chamotte-Ofenrohre usw. Dazu kommen noch die nach Zeichnungen oder Mustern angefertigten Formsteine in allen Größen und Gewichten. Zu einem Spezialgebiet hat sich die Fertigung von Ausmauerungen für Zimmeröfen und Herde, sowie die Belieferung des keramischen Ofenbaus entwickelt. Zum Vermauern der Chamottesteine wird den betreffenden Qualitäten genau angepaßter Chamottemörtel und für Schnellreparaturen selbst abbindender Feuerbeton geliefert. Auch die Klinkerherstellung basiert auf den örtlichen Rohstoffvorkommen, deren spezielle Eigenschaften die Fabrikation eines dicht gesinterten harten Eisenklinkers von höchster Druckfestigkeit ermöglichen. Dem Brennen dieser Steine dienen ein direkt befeuerter Kammer-Ringofen, sowie ein neuerstellter gasbeheizter Tunnelofen, in Verbindung mit einer neugebauten Klima-Trockenanlage. Außer Steinen im Normalformat, welche fur hochbeanspruchtes Mauerwerk und als wetterbeständige Verblender verwendet werden, sind noch eine ganze Reihe Sonderformate im heutigen Produktionsprogramm enthalten. So vor allem Klinkerplatten für Gehsteige, Hofpflasterungen und hochbeanspruchte Fußbodenbeläge in Industrie und Landwirtschaft, Klinkerwandplatten (Spaltplatten), die in ihrer natürlichen Farbschönheit eine zugleich dauerhafte Wandverblendung ermöglichen, welche zudem, wie auch alle anderen Klinkererzeugnisse, den Vorteil der Säurefestigkeit hat. In immer weiterem Umfange führt sich auch die Verwendung von Klinker-Riemchen zur Verblendung von Fassaden ein.

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